Zusammenarbeit tauber und hörender Dolmetschender im Berufsalltag
Seminarbeschreibung zwecks Antragstellung beim Integrationsamt
Barrierefreie und sichere Kommunikation im Berufsalltag
1. Begründung des Seminars
Die Zusammenarbeit zwischen tauben und hörenden Dolmetschenden ist ein zentraler Bestandteil professioneller Kommunikationsprozesse im modernen Arbeitsleben. Dabei entstehen spezifische Herausforderungen, die sich aus unterschiedlichen sprachlichen Voraussetzungen, Rollenverständnissen sowie aus der Notwendigkeit ergeben, komplexe Kommunikationsprozesse gemeinsam zu koordinieren. Insbesondere in dynamischen Einsatzsituationen erfordert dies ein hohes Maß an Abstimmung, Flexibilität und gegenseitigem Verständnis.
Das Seminar richtet sich an taube und hörende Gebärdensprachdolmetschende sowie gebärdensprachkompetente Fachkräfte und hat einen unmittelbaren beruflichen Bezug. Anhand typischer Situationen aus dem Berufsalltag – etwa in gerichtlichen Verfahren, in Verwaltungsverfahren, medizinischen Kontexten, Teammeetings oder Konferenzen – werden berufsbezogene Kompetenzen vermittelt, die unmittelbar in die Praxis übertragbar sind und die professionelle Zusammenarbeit im Team nachhaltig stärken.
Im Mittelpunkt steht die koordinierte Zusammenarbeit in gemischten Dolmetschteams unter realen Einsatzbedingungen. Ziel ist es, Handlungssicherheit in komplexen Kommunikationssituationen zu erhöhen und Teamprozesse bewusst, reflektiert und professionell zu gestalten. Dabei werden typische Spannungsfelder, Missverständnisse und Herausforderungen in der Zusammenarbeit systematisch analysiert.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Abstimmung von Rollen, Timing und Verantwortlichkeiten im Team sowie auf der gemeinsamen Steuerung von Kommunikationsprozessen. Unterschiedliche Dolmetschmodi, insbesondere Simultan-, Konsekutiv- und Relais-Dolmetschen, werden in ihrer Struktur analysiert und hinsichtlich ihrer situativen Anwendung reflektiert.
Die Teilnehmenden lernen, Einsätze strukturiert vorzubereiten, relevante Informationen im Vorfeld zu klären und Erwartungen im Team transparent abzustimmen. Darüber hinaus werden Strategien zur Qualitätssicherung, zur strukturierten Rückmeldung sowie zur kollegialen Reflexion entwickelt und praktisch erprobt.
Die Maßnahme dient der Sicherung der Beschäftigungsfähigkeit sowie der nachhaltigen Teilhabe tauber Dolmetschender am Arbeitsleben.
2. Ziele und Inhalte
Ziel des Seminars ist es, die professionelle Zusammenarbeit zwischen tauben und hörenden Dolmetschenden zu stärken, ihre Handlungssicherheit in komplexen und dynamischen Kommunikationssituationen zu erweitern und den Transfer in den Berufsalltag systematisch zu sichern.
Die Teilnehmenden lernen, Rollen im Team klar zu definieren, Kommunikationsprozesse gezielt zu koordinieren und unterschiedliche Dolmetschstrategien situationsangemessen einzusetzen. Ein besonderer Fokus liegt auf der Vorbereitung von Einsätzen, der Abstimmung im Team sowie
der gemeinsamen Steuerung von Kommunikationssituationen in unterschiedlichen Settings.
Darüber hinaus erwerben die Teilnehmenden vertiefte Kompetenzen im Umgang mit Relais-Dolmetschen, in der Analyse von Sprachregistern sowie in der strukturierten Rückmeldung im Team. Herausforderungen in der Zusammenarbeit werden reflektiert und konkrete Lösungsstrategien gemeinsam entwickelt.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung einer professionellen Teamkultur, die auf Transparenz, gegenseitigem Vertrauen und klarer Kommunikation basiert. Die Teilnehmenden werden darin unterstützt, ihre eigene Rolle im Team bewusst zu reflektieren und aktiv zu gestalten.
Durch praxisnahe Simulationen, Übungen und strukturierte Reflexionsphasen werden Strategien erarbeitet, die unmittelbar in den Berufsalltag übertragen werden können.
3. Seminarleitung
Rona Meyendorf
Hörgeschädigtenpädagogin und staatlich geprüfte taube Gebärdensprachdolmetscherin
Prof. Dr. Christian Rathmann
deutscher Linguist und Leiter der Abteilung Deaf Studies und Gebärdensprachdolmetschen am Institut für Rehabilitationswissenschaften der Humboldt-Universität Berlin.
Bei Anmeldung werden die Zimmer für die Teilnehmer im Tagungshotel Duhnen automatisch reserviert. Übernachtungskosten sind nicht in der Teilnehmergebühr inbegriffen. Sonderpreis für die Teilnehmer 163,00 € je Nacht im Tagungshotel Duhnen.
Dieses Seminar wurde vom Integrationsamt Hildesheim als förderungsfähig im Sinne von § 24 SchwbAV anerkannt.
Datum
01. April 2027 bis 04. April 2027
Methoden
praxisnahe Simulationen, Übungen und strukturierte Reflexionsphasen
Seminarort
Tagungshotel Duhnen
Anmeldeschluss am
04. März 2027