Lesen und verstehen im Beruf I
Seminarbeschreibung zur Antragstellung beim Integrationsamt
Barrierefreie, sichere und professionelle Textkommunikation im Berufsalltag
1. Begründung des Seminars
Schriftsprachliche Kompetenzen sind eine zentrale Voraussetzung für die Teilhabe am Arbeitsleben. Für Menschen mit Hörschädigung bestehen jedoch strukturelle Herausforderungen beim Erwerb und Gebrauch der deutschen Schriftsprache. Insbesondere der Zugang zu impliziten sprachlichen
Lernprozessen, insbesondere im Bereich der Grammatik, Syntax und Wortschatz ist häufig besonders stark eingeschränkt. Ein Grund liegt in der Unterschiedlichkeit der grammatikalischen Struktur der Deutschen Gebärdensprache (DGS) und der deutschen Schriftsprache. Diese Differenz verstärkt Transferprobleme beim Lesen und Verstehen komplexer Texte.
Forschungsergebnisse zeigen, dass gehörlose Menschen im Durchschnitt geringere Lesekompetenzen aufweisen als hörende Vergleichsgruppen, insbesondere bei komplexen und fachsprachlichen Texten. Gleichzeitig sind berufliche Anforderungen zunehmend durch schriftliche Kommunikationen geprägt, etwa in Form von E-Mails, Dokumentationen oder schriftlichen Anschreiben.
Bestehende Bildungsangebote sind jedoch häufig nicht ausreichend auf die spezifischen Bedarfe dieser Zielgruppe zugeschnitten oder setzen bereits hohe sprachliche Kompetenzen voraus. Zudem sind digitale Hilfsmittel nicht immer verfügbar, inhaltlich verlässlich oder im Arbeitsalltag praktikabel.
Vor diesem Hintergrund besteht ein Bedarf an niedrigschwelligen, praxisnahen und insbesondere analogen Strategien, die das selbstständige Textverständnis fördern und direkt im Berufsalltag angewendet werden können
2. Ziele und Inhalte
Ziel des Seminars ist es somit, die Lesekompetenz und das Textverständnis der Teilnehmenden nachhaltig zu verbessern. Zum Ende des Seminars sollen die Teilnehmenden:
- Typische Schwierigkeiten beim Lesen erkennen und einordnen können
- Strategien zum systematischen Erschließen von Texten kennen und anwenden können
- Berufsbezogene Texte eigenständig strukturieren und verstehen können
- Sicherheit im Umgang mit unbekannten Begriffen und komplexen Satzstrukturen gewinnen
Das Seminar verfolgt nicht das Ziel, über viele Jahre entstandene sprachliche Benachteiligungen zu nivellieren. Vielmehr sollen den Teilnehmenden konkrete, praxisnahe Strategien vermittelt werden, mit deren Hilfe berufsbezogene Texte besser erschlossen und verstanden werden können. Ein besonderer Fokus liegt auf der Stärkung der Selbstwirksamkeit und Handlungskompetenz im Arbeitskontext.
Methoden: visualisierte Kurzvorträge, Kleingruppenarbeit und Partnerübungen, Einzelarbeit mit individuell mitgebrachten Texten, Mindmapping, Codierung
3. Seminarleitung
Luisa Thorwarth
Kind tauber Eltern (CODA), gebärdensprachkompetent, ausgebildete Pädagogin
(M.Ed. Lehramt an Grundschulen, Deutsch und Kunst), freie Kunstvermittlerin
Gebärdensprachdolmetscher:
Lea-Alisa Igersky
Sonderpädagogik B.A. und Gebärdensprachdolmetscherin im Studium
Aaron Kollien
staatl. geprüfter Gebärdensprachdolmetscher
Bei Anmeldung werden die Zimmer für die Teilnehmer im Tagungshotel Duhnen automatisch reserviert. Übernachtungskosten sind nicht in der Teilnehmergebühr inbegriffen. Sonderpreis für die Teilnehmer 154,00 € je Nacht im Tagungshotel Duhnen.
Dieses Seminar wurde vom Integrationsamt Hildesheim als förderungsfähig im Sinne von § 24 SchwbAV anerkannt.
Datum
03. Dezember 2026 bis 06. Dezember 2026
Methoden
visualisierte Kurzvorträge, Kleingruppenarbeit und Partnerübungen, Einzelarbeit mit in- dividuell mitgebrachten Texten, Mindmapping, Codierung
Seminarort
Tagungshotel Duhnen
Anmeldeschluss am
05. November 2026